Zeit zu handeln


Übersicht Zwischenruf

Ambivalentes Wirtschaftswachstum

smallImage

Meinhard Miegel vergrößern

Zwischenruf von Meinhard Miegel

Niemand vermag mit Sicherheit zu sagen, ob die derzeitigen Aufhellungen am Konjunkturhimmel nur eine Wolkenlücke sind oder eine Wetteränderung ankündigen. Zu klären ist jedoch im einen wie im anderen Falle, ob die neuen Wachstumstriebe unbedenklich oder möglicherweise problematisch sind. Zu fragen ist insbesondere: Verbraucht dieses Wachstum weiterhin natürliche Ressourcen, die sich in absehbarer Zeit nicht ersetzen lassen? Belastet es zusätzlich Natur und Umwelt und verursacht dort vielleicht irreversible Schäden? Gehen von ihm Wirkungen aus, die Mensch und Gesellschaft beeinträchtigen?

Nur wenn diese Fragen verneint werden können, besteht Anlass, sich uneingeschränkt über das Wachstum der Wirtschaft zu freuen. Wenn nicht, muss sorgsam zwischen den Vor- und Nachteilen dieses Wachstums abgewogen werden. Denn die lange akzeptierte Unterstellung, Wachstum sei immer gut, ist nicht nur naiv, sondern auch falsch. Wachstum kann auf Mensch und Natur positiv wirken. Es kann ihnen aber auch schaden. Es kommt ganz darauf an.

Diese Einsicht ist noch längst kein Gemeingut. Noch immer wird jedes Wachstumsprozent begrüßt, selbst wenn es die Lebensgrundlagen der Menschen beeinträchtigt. Doch diese Art zu denken können wir uns nicht länger leisten. Vielmehr ist nüchtern zu prüfen, was da wächst und wie es wächst. Erst dann lässt sich sagen, ob das Wachstum wünschenswert ist oder nicht.

Bonn, 29. Januar 2010