Ausgewählte Zitate
Über die Begriffe Wachstum und Wohlstand wird gegenwärtig intensiv diskutiert. Die einen sehen in Wirtschaftswachstum das Glücks- und Heilsversprechen unserer westlichen Kultur. Die anderen warnen vor den negativen Folgen der damit einhergehenden Lebens- und Konsumstile. Sie suchen daher nach neuen Definitionen von Wachstum und Wohlstand, die neben wirtschaftlichen auch soziale und ökologische Kriterien berücksichtigen, und plädieren für eine kulturelle Erneuerung.
Das Denkwerk Zukunft hat hierzu Aussagen von Vertretern der Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sowie von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen und vielen anderen zusammengestellt. Die ausgewählten Zitate spiegeln nicht nur den aktuellen Diskussionsstand zu einem zentralen Zukunftsthema wider, sondern sind auch eine Fundgrube für Journalisten und andere, die an diesem Thema arbeiten.
Falls Sie auf weitere interessante Zitate zu den genannten Themen stoßen, schicken Sie sie uns bitte an: inspiration@denkwerkzukunft.de
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2010
Arndt G. Kirchhoff, BDI/BDA-Mittelstandsausschuss
Plädoyer für Wachstum
"Nur mit einer wachsenden Wirtschaft lässt sich der Haushalt konsolidieren. Schon ein Wachstumsrückgang von 0,1 Prozent bedeutet 2,5 Milliarden Euro weniger BIP. Das macht für die Staatskasse ungefähr 600 Millionen Euro weniger Steuereinnahmen. Bei 0,2 Prozent weniger BIP-Wachstum wären die Steuerausfälle höher als die erhofften Steuermehreinnahmen... Die Politik muss jetzt die Weichen auf Wachstum stellen."
(in: BDI-Mittelstandsinformationen - 23. August 2010)
2010
Renate Künast, Bündnis 90/Die Grünen
Grenzen des Wachstums
"In der Vergangenheit hat unsere Wirtschaftsweise Wachstum über alles gestellt. Inzwischen wissen wir, dass wir so unsere Lebensgrundlagen zerstören."
(im Interview mit der WirtschaftsWoche, 12. Juli 2010)
2010
Meinhard Miegel, Denkwerk Zukunft
Grenzen des Wachstums
"Für die Völker in den frühindustrialisierten Ländern, die im historischen und internationalen Vergleich einen immens hohen materiellen Lebensstandard erreicht haben, ist jedoch der Zeitpunkt gekommen einzusehen, dass für sie die weitere Mehrung materiellen Wohlstands an Grenzen stößt. Allerdings bedeutet dies nicht notwendigerweise einen materiellen Wohlstandsverlust insgesamt. Denn materielle Wohlstandsverluste können in erheblichen Umfang durch immaterielle Wohlstandsaspekte kompensiert werden."
(zitiert in: "Wir können Probleme nicht mehr durch Wachstum lösen", conturen1/2.2010)
2010
Karl-Heinz Paqué, Universität Magdeburg
Plädoyer für Wachstum
"Der weltweite Energieverbrauch wird massiv steigen, denn große Entwicklungsländer industrialisieren sich. Die Menschen dort wollen auch wohlhabend werden, und niemand sollte versuchen, sie daran zu hindern. Um deren Wachstum in Einklang mit globalen ökologischen Zielen zu bringen, braucht die Welt neues technisches Wissen - in Deutschland genauso wie in China, Indien und Bangladesch. Dieses Wissen fällt nicht vom Himmel, sondern es entsteht vor allem durch eines: Wachstum."
(in: „Sollen wir immer weiter wachsen?“, WiWo, Nr 28, 12. Juli 2010)
2010
Meinhard Miegel, Denkwerk Zukunft
Neue Wohlstandsdefinition
"Vielmehr sollten sie Formen von Wachstum und Wohlstand verinnerlichen, die, anders als die bisherigen, keine verbrannte Erde zurücklassen. Wie schwer das fällt, offenbart die seit Langem geführte Wachstumsdebatte, bei der noch immer Vertreter eines beinahe archaischen Wachstumsverständnisses den Ton angeben: Abwrackprämien statt Bildungsgutscheine, Wirtschaftssubventionen statt musischer Kindererziehung, Lohnerhöhungen statt Sabbaticals. Mit dieser Art von Wohlstands- und Wachstumsverständnis ist kein Staat zu machen und erst recht keine Zukunft. Zukunft braucht ein Wachstum, das nicht länger vorwiegend aus materiellen, sondern vermehrt auch aus immateriellen Quellen gespeist wird."
(in: „Sollen wir immer weiter wachsen?“, WiWo, Nr 28, 12. Juli 2010)
2010
Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Neue Wohlstandsdefinition
„Wir stehen vor der Aufgabe: Wie schaffen wir es, weltweit nachhaltig und balanciert, aber vor allen Dingen nachhaltig Wachstum zu schaffen? Diese Aufgabe ist noch etwas schwieriger, als es darum ging, eine gesamtdeutsche Soziale Marktwirtschaft zu schaffen. Wir müssen lernen, mit begrenzten Ressourcen umzugehen. Sicherlich kann nicht allein die Größe des Bruttoinlandsprodukts für entwickelte Industrienatio-nen auf Dauer der einzige Wachstumsindikator sein. Es geht um Lebensqualität. Es geht um Bildung. Es geht um sozialen Frieden, um innere und äußere Sicherheit. Diese Verfolgung einer in den Zielsetzungen weiterentwickelten Sozialen Marktwirt-schaft wird für uns die große Aufgabe in der Zukunft sein. Ich glaube, Deutschland hat hier viele, viele Beiträge auch zur internationalen Diskussion zu leisten, um auf diesem Weg weiterzukommen“.
(Rede auf der Veranstaltung „20 Jahre Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion“ am 29. Juni 2010 in Berlin)
2010
Richard David Precht, Buchautor und Journalist
Grenzen des Wachstums
„Die Entfremdung der Politiker von den Bürgern ist mehr als nur eine Frage von verweigerter Mitbestimmung. Sie ist auch der immer trotzigere Versuch, eine Politik von gestern zu bewahren, in der Form und im Inhalt. Ihren stärksten Ausdruck findet sie in der Ideologie des Wachstums, die glauben machen möchte, dass wir weiterhin die Umwelt zerstören und Ressourcen aufbrauchen müssen, um noch mehr Konsumgüter zu erzeugen. Tatsächlich fördert das Wirtschaftswachstum schon lange nicht mehr den Wohlstand, sondern es ruiniert ihn.“
(in: Spiegel Online, „Die entfremdete Republik“, vom 28. Juni 2010)
2010
Norbert Röttgen, Bundesumweltminister
Kulturelle Erneuerung
„Wenn wir unsere Wirtschafts- und Lebensweise nicht ändern, werden Ölfirmen für uns in immer sensiblere Gebiete vordringen, auch in Regenwälder und in die Arktis.“
(im Spiegel-Interview, „Gefahr für den Wohlstand", vom 28. Juni 2010)
2010
Wolfgang Sachs, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH
Kulturelle Erneuerung
„Ich denke, dass der grüne Kapitalismus sich zu einem System transformieren muss, wo ich nicht weiß, ob es noch kapitalistisch zu nennen ist. Auf jeden Fall zu einem System, wo nicht mehr Wachstum und damit auch nicht mehr Profit die Priorität haben.“
(in: weed-Sonderbeilage in der taz – 19.Juni 2010)
2010
Elmar Altvater, Freie Universität Berlin
Kulturelle Erneuerung
„Bei der Naturkrise ist es offensichtlich, dass wir Grenzen überschritten haben. Wir können die Ernährungskrise und die Energiekrise, den Peak Oil, hinzufügen. Dann haben wir – neben der Demokratiekrise – auch eine Hegemonialkrise. Wir sind an der Grenze von ganz vielem, und daher müssen wir die Frage stellen: Muss man nicht das System ändern, um wieder auf eine andere Entwicklungsbahn zu kommen?“
(in: weed-Sonderbeilage in der taz – 19.Juni 2010)
2010
Jeremy Rifkin, Präsident der Foundation of Economic Trends
Kulturelle Erneuerung
“This next stage after the collapse of Copenhagen and now with the collapse of the global economy, we have to change the way we think about all this and we have to see that opportunity for a new economic vision, game plan and a new economic revolution that will get us to a post-carbon society.”
(im EurActiv-Interview, am 16. Juni 2010)
2010
Franz Walter, Universität Göttingen
Kulturelle Erneuerung
„In diesen Jahren geht etwas zu Ende, gesellschaftliche und ökonomische Axiome sind zerbrochen. Und doch gibt es nirgendwo eine auch nur vage Skizze für das Folgende, für den Postsozialismus, den Postkapitalismus, das Postchristliche in den rundum ausgenüchterten europäischen Gesellschaften. Wohl in keiner neuzeitlichen Krise herrschte eine solche Begriffslosigkeit bei der Betrachtung von Zukunft, bei den Erörterungen über das "Danach". Die im Bundestag vertretenen Parteien vermögen das Neue längst nicht mehr vorweg zu nehmen oder gar vorweg zu denken. Verantwortlich dafür ist keineswegs die oft gern attestierte Abgehobenheit der Parlamentarier in Deutschland.“
(in: Spiegel Online, „Einen Denker brauchen wir“ vom 1. Juni 2010)
2010
Christian Böllhoff, Geschäftsführer der Prognos AG
Grenzen des Wachstums
"Auch wenn man steigende Investitionen und höhere Produktivitätsfortschritte als zuletzt annimmt, ist es ausgesprochen schwierig, Ansatzpunkte für ein langfristiges Wachstum oberhalb von einem Prozent zu finden."
(zitiert in: Handelsblatt "Deutschland schwindet die Kraft" vom 27. Mai 2010)
2010
Wolfgang Kaden, Journalist
Grenzen des Wachstums
"Seit vielen Jahrzehnten schon wird die Illusion vom stetig steigenden Sozialprodukt mit immer neuen Staatsschulden aufrechterhalten. Es begann in den Siebzigern, als die damalige sozial-liberale Koalition die ersten schweren Konjunkturkrisen mit staatlichem "Deficitspending" zu überwinden suchte - und versäumte, die zu diesem Zweck aufgenommenen Schulden im nachfolgenden Aufschwung zurückzuzahlen."
(in: Wachstum? Diese Zeiten sind vorbei, Spiegel Online 18. Mai 2010)
2010
Horst Köhler, Bundespräsident
Grenzen des Wachstums
"Bis zur Stunde verlassen wir uns darauf, dass vor allem Wirtschaftswachstum helfen wird, mit dem Schuldenproblem fertig zu werden. Manche empfehlen sogar, dafür zunächst noch mehr Schulden zu machen. Ich glaube, das ist ein schlechter Rat, dem wir auf keinen Fall folgen sollten. Er würde uns in eine aussichtslose Schuldenfalle führen, weil sich für die entwickelten Volkswirtschaften Grenzen des Wachstums nicht mehr übersehen lassen."
(Rede "Die Krise nicht verschwenden!" von Bundespräsident Horst Köhler beim IX. Munich Economic Summit, 29. April 2010)
2010
Frank-Walter Steinmeier, SPD
Neue Wohlstandsdefinition
"Wir müssen die Ziele und Maßstäbe unseres Wirtschaftens neu definieren. Es gilt, nachhaltige Lebensqualität und gesellschaftlichen Fortschritt in den Mittelpunkt zu rücken. […] Der Zustand der Umwelt, das Niveau von Gesundheit und Bildung, Sicherheit, politische Teilhabe und Zugang zu Arbeit, aber auch die Verfügbarkeit von freier Zeit - all das erfasst das BIP nicht. Auch über die Verteilung von Wohlstand und Lebenschancen gibt das BIP keine Auskunft."
(Gastkommentar in der FTD vom 18. April 2010)
2010
Meinhard Miegel, Denkwerk Zukunft
Grenzen des Wachstums
"Unser Wohlstand steht auf Pfeilern, die wegbrechen. Seit Beginn der Industrialisierung haben wir unsere natürlichen Ressourcen nicht mehr gebraucht, sondern verbraucht. Wir haben fast kostenfrei die Umwelt belastet, wir haben die Gesellschaft verschlissen. Und jetzt haben wir noch jahrzehntelang versucht, die Sache durch neue Schulden anzufeuern. Diese Art von Wohlstand werden wir in Zukunft nicht mehr haben."
(im Interview mit DiePresse.com am 17. April 2010)
2010
Ernst Ulrich von Weizsäcker, Wissenschaftler
Grenzen des Wachstums
"Dieses expansive Wachstum ist jetzt an seine Grenzen gekommen - die weitere technologische Entwicklung ohne klare ökologische Ausrichtung führt geradewegs in den Abgrund. Darum muss der Fortschritt grün werden."
(Essay "Fortschritt ja, aber bitte grün" in SpiegelONLINE vom 15. April 2010)
2010
Jürgen Trittin, Bündnis 90/Die Grünen
Neue Wohlstandsdefinition
"Wir müssen unseren Wohlstand so organisieren, dass wir nicht länger sklavisch abhängig vom Wachstum sind"
(zitiert in: SpiegelOnline "Grüne kämpfen gegen die Wunderwaffe Wachstum" vom 15. April 2010)
2010
Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
Grenzen des Wachstums
„Auch Deutschland bewegt sich seit Jahren am Rande der Deflation. Und der Weltwirtschaft stehen schwierige Zeiten bevor. Ich fürchte: Die Bürger müssen mit mageren Zeiten rechnen. […] Meine Befürchtung ist, dass wir in eine längere Phase der Stagnation geraten. Die Wachstumstreiber fehlen. Vor der Krise waren es die Privathaushalte in den USA, in Süd- und Osteuropa, in Großbritannien und Irland, die dank großzügiger Kredite die Weltkonjunktur am Laufen hielten. Seit dem Einbruch 2008 haben öffentliche Haushalte mit ihren Konjunkturprogrammen den Laden in Schwung gehalten. Doch auch damit wird nun definitiv Schluss sein.“
(im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, "Deutschland droht eine längere Stagnation", 23. März 2010)
2010
Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Plädoyer für Wachstum
"Wir werden diese Krise gemeinsam (…) nur mit Wachstum überwinden, und genau um dieses Wachstum geht es uns. Dafür kämpfen wir, wie gesagt, mit einer gewissen Leidenschaft, aber ich meine, das ist auch innerhalb der erlaubten Grenzen."
(auf der Pressekonferenz nach dem Spitzengespräch der Bundeskanzlerin mit der deutschen Wirtschaft in München, 05. März 2010)
2010
Professor Ulrich Witt, Max-Planck-Institut für Ökonomik
Grenzen des Wachstums
"Unser jetziger materieller Lebensstandard, wie wir ihn in Europa kennen, ist nicht für acht oder neun Milliarden Menschen verfügbar. (…) Nur solange der technische Fortschritt stärker zunimmt als die Ressourcen-Verknappung, kann es unter realen Bedingungen ein Mehrprodukt je Arbeitsstunde geben. Wenn Energie und Material zur Neige gehen, zu teuer werden, ist schnell Schluss mit dieser Art von Wachstum."
(im Interview mit Focus-Money, 1. März 2010)
2010
Burkhard Schwenker, Chef der Unternehmensberatung Roland Berger
Plädoyer für Wachstum
"Im Grunde ist es ganz einfach. Wer für wachsenden Wohlstand ist, muss auch für eine wachsende Wirtschaft sein. Das eine kann es ohne das andere nicht geben. Wenn wir uns vornehmen, den Wohlstand binnen einer Generation zu verdoppeln, was ich für ein erstrebenswertes Ziel halte, dann bedeutet das, dass das Bruttoinlandsprodukt jedes Jahr im Schnitt um drei Prozent wachsen muss. Das hat nichts mit Ideologie zu tun, sondern schlicht mit Mathematik."
(im Interview mit Focus, 1. März 2010)
2010
Silke Helfrich/ Rainer Kuhlen/ Wolfgang Sachs/ Christian Siefkes
Grenzen des Wachstums
"Zweifellos ist es höchst fahrlässig, weiterhin auf ein steigendes Volkseinkommen zu setzen. Das Gegenteil zu tun, nämlich auf wirtschaftliche Stabilität und Konsumbeschränkung zu setzen, hat mehr Vernunft für sich. Die Gründe dafür sind ausreichend bekannt: Klimachaos, schwindende Öl- und Gasreserven, wachsende Schuldenberge und verstärkte Ressourcenansprüche an verschiedenen Orten der Welt. Es genügt, darauf hinzuweisen, dass es bald – vielerorts schon jetzt – nicht mehr um Wachstum, sondern um zivilisiertes Überleben geht."
(in: Heinrich Böll Stiftung (Hrsg.), "Gemeingüter-Wohlstand durch Teilen", S. 41, Februar 2010)
2010
Bevölkerungsumfrage (IfD Allensbach)
Plädoyer für Wachstum
"55 Prozent der Anhänger der CDU/CSU, 52 Prozent der Anhänger der SPD halten es für besonders wichtig, die Politik in den nächsten Jahren auf mehr Wirtschaftswachstum auszurichten."
(zitiert in: Renate Köcher, "Politik in der pragmatischen Gesellschaft", FAZ vom 24. Februar 2010)
2010
Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Neue Wohlstandsdefinition
"Besonders wichtig ist mir, (…) dass wir die Frage, was im 21. Jahrhundert Wachstum ist und was Wohlstand für hoch entwickelte Industrienationen bedeutet, gemeinsam im Sinne der Nachhaltigkeit und der Zukunftsfähigkeit bearbeiten wollen. (…) Wir müssen neu denken. Wir müssen neu wirtschaften. Wir brauchen eine nachhaltige Budgetpolitik, eine nachhaltige Finanzpolitik."
(auf der Pressekonferenz zu "Agenda 2020" mit Präsident Sarkozy in Paris, 04. Februar 2010)
2010
Nicolas Sarkozy, französischer Staatspräsident
Neue Wohlstandsdefinition
„Wir sind der Ansicht, dass Deutschland und Frankreich die Wachstumsindikatoren weiterentwickeln müssen, wenn wir dauerhafte Entwicklung sicherstellen wollen.“
(gemeinsame Pressekonferenz mit Angela Merkel - 12. Deutsch-Französischer Ministerrat, Paris, 4. Februar 2010)
2010
Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Neue Wohlstandsdefinition
"Wir werden auch andere Dinge gemeinsam tun. Aber besonders wichtig ist mir, dass wir verabredet haben, dass wir die Frage, was im 21. Jahrhundert Wachstum ist und was Wohlstand für hochentwickelte Industrienationen bedeutet, gemeinsam im Sinne der Nachhaltigkeit und der Zukunftsfähigkeit bearbeiten wollen.
Wir werden, ausgehend von dem Stiglitz-Kommissionsbericht, dann die Sachverständigenräte oder Wirtsachaftsweisen, wie es in Frankreich heißt, zusammensetzen. Sie sollen für uns bis zum Ende des Jahres einen Bericht erarbeiten und sagen, wie wir neue Idikatoren finden können. Genau das werden wir dann auch in Europa einspeisen, um dort auf einer modernen Grundlage im Sinne eines nachhaltigen, verantwortungsvollen Wirtschaftens über die Wachstumsstrategie zu beraten."
(Gemeinsame Pressekonferenz - 12. Deutsch-Französischer Ministerrat, 4. Februar 2010)
2010
Rainer Brüderle, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie
Plädoyer für Wachstum
"Deutschland muss jetzt das Potenzial für dauerhaftes, selbsttragendes Wachstum wieder aufbauen. Wir brauchen einen höheren Wachstumspfad. [...] Dauerhaftes Wachstum erreichen wir nur mit niedrigen Steuern."
(Rede zum Jahreswirtschaftsbericht 2010 der Bundesregierung vor dem Deutschen Bundestag, 28. Januar 2010)
2010
Mathias Greffrath, Journalist
Grenzen des Wachstums
"Wachstum für den Wohlstand, Wachstum für die Armen, die Kinder, die Kitas, die Umwelt und den Schuldendienst. Lieder von gestern, an die auch hinter diesen Tribünen niemand mehr so recht glaubt. "
(in: Das Schlagloch. Wir sind Roland Koch, taz, 26. Januar 2010)
2010
Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Plädoyer für Wachstum
"Wir haben weitere Kaufkraftstimulierungen angeregt. Genau daraus ist eine bessere Wirtschaftsentwicklung bis November entstanden, so wie wir das wollten. Die hat uns Spielräume eröffnet, den nächsten Impuls zu setzen, um für die Steuerschätzung im Mai wieder eine bessere Entwicklung zu haben. Das ist unsere Philosophie. Wer diese Art, zu denken, nicht aufbringt, der muss wirklich in sich gehen. Es ist notwendig, dass wir diesen Kurs fortsetzen, dass wir weiter auf Wachstum setzen und uns gleichzeitig mit der Haushaltskonsolidierung befassen."
(Rede zum Haushaltsgesetz 2010 vor dem Deutschen Bundestag am 20. Januar 2010 in Berlin)
2010
Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Plädoyer für Wachstum
"Aber nun stehen wir vor der vielleicht kompliziertesten Situation, die man sich vorstellen kann. Wir haben uns verschuldet, wir sind in der Krise, wir müssen langfristig auf Nachhaltigkeit setzen, aber gleichzeitig müssen wir Wachstumsimpulse setzen, weil jeder weiß, wenn wir das nicht tun, dann werden wir uns noch lange mit Sparen beschäftigen können und müssen an die Substanz dessen gehen, was in Bildung, in Forschung, in Investitionen hineingeht. Das darf nicht passieren.
Ich sage auch: Was ich nicht will, ist, den sozialen Frieden dieses Landes so auf den Prüfstand zu stellen, dass er nicht mehr erhalten werden kann. Dieser ist genauso eine Stärke der Sozialen Marktwirtschaft. Vielleicht haben wir aber nie so sehr gesehen, wie hilfreich betriebliche Mitbestimmung ist, wie im letzten Jahr, als vieles auch miteinander besprochen wurde."
(Rede beim "Wirtschaftsgespräch 2010" des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen am 18. Januar 2010 in Düsseldorf)
2010
Ernst Ulrich von Weizsäcker, Wissenschaftler
Grenzen des Wachstums
"Wenn man Beschäftigung über alles stellt, dann darf man nicht am Wachstumsdogma kratzen. Aber da ist ein Denkfehler drin: Man tut so, als wären Arbeitsplätze auch dann gut, wenn sie zerstörerisch oder sinnlos sind. Für den Wohlstand wäre besser: weniger Arbeit, aber die besser verteilt."
(im Gespräch mit FORMAT, 10. Januar 2010)
2010
Franz Fischler, Ökosoziales Forum
Grenzen des Wachstums
"Langfristig ist es schlicht nicht machbar, immer weiter zu wachsen. Man muss den Umstieg daher planen. Es ist außerdem ein falsches Dogma, weniger Wachstum mit Verzicht gleichzusetzen. Man muss sich doch fragen: Wozu soll dieses Wachstum dienen? Es kann nicht immer um "mehr" gehen – sondern um mehr Qualität."
(im Gespräch mit FORMAT, 10. Januar 2010)
2010
Renate Künast, Bündnis 90/Die Grünen
Kulturelle Erneuerung
"Diejenigen aus den anderen Parteien, die jetzt das Wort Grün im Munde führen, betrachten das nur als Zusatz. Sie wollen mit der Umwelttechnik nur einen zusätzlichen Wirtschaftszweig aufmachen. Sie meinen, das ginge ohne Veränderung des Lebensstils. Wir aber wollen unsere Art zu leben und zu wirtschaften grundsätzlich umbauen. Ich will jetzt keinen Verzicht predigen, sondern unsere Grundausrichtung verändern."
(im Interview mit der FAZ, 9. Januar 2010)
2010
Herman Van Rompuy, Präsident des Europäischen Rates
Plädoyer für Wachstum
"We need more economic growth, in order to finance on a sound basis our social model, to preserve our European way of life."
(bei seiner Antrittsrede, zitiert in: Deutsche Welle, 4. Januar 2010)
2010
Edmund Phelps, Columbia University
Neue Wohlstandsdefinition
"The good economy should serve the good life."
(zitiert in: Nachhaltigkeit – Monatsthema 01/10: Besser statt mehr – Wachstum im Wandel, Januar 2010)
2010
Norbert Röttgen, Bundesumweltminister
Kulturelle Erneuerung
"Ich will dazu beitragen, dass wir in den nächsten vier Jahren umsteuern in der Art, wie wir leben und wirtschaften."
("Wir müssen anders Leben", Interview für Dein Spiegel, Nr. 1, 2010)
2010
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi)
Plädoyer für Wachstum
"Nachhaltig höheres Wachstum wird damit entscheidend für den langfristigen Konsolidierungserfolg. Tragfähige öffentliche Finanzen sind wiederum eine Voraussetzung für mehr Wachstum und Beschäftigung."
(in: Jahreswirtschaftsbericht 2010, Mit neuer Kraft die Zukunft gestalten, S. 13)
2010
Bevölkerungsumfrage (Eurobarometer)
Plädoyer für Wachstum
"Grundsätzlich erscheint die Konzentration auf Wachstum und mehr Arbeitsplätze den Bürgern sinnvoll, denn für eine klare Mehrheit der Deutschen (59%, +5 Pp) und der Europäer (56%, + 1 Pp) bestimmt wirtschaftliche Leistungsfähigkeit die Stellung der Europäischen Union in der Welt."
(Europäische Kommission, Eurobarometer 72, Herbst 2009, S. 34)
2009
Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Plädoyer für Wachstum
"Das vergangene Jahr stand im Zeichen der größten weltweiten Finanzkrise unserer Zeit. 2010 wird sich entscheiden, wie wir aus dieser Krise herauskommen […] Dazu müssen und werden wir als Bundesregierung alles tun, um Wachstum zu schaffen. Denn wir wollen mit mehr Wachstum klug aus der Krise kommen."
(Neujahrsansprache 2010, 31. Dezember 2009)
2009
Michael Hüther, Institut der deutschen Wirtschaft
Plädoyer für Wachstum
"Zunächst ist nicht die Zahl, sondern das Ziel entscheidend. Nämlich, dass alle in der Gesellschaft vorhandenen Beschäftigungswünsche befriedigt werden. Unter den gegebenen Umständen brauchen wir über mehrere Jahre etwa zweieinhalb Prozent Wachstum, um dieses Ziel zu erreichen. Bei einem weiter flexibilisierten Arbeitsmarkt wäre diese Beschäftigungsschwelle durchaus geringer."
("Die Knautschzone hat gehalten", in: Der Westen, 31. Dezember 2009)
2009
Hans Werner Kilz, Journalist
Grenzen des Wachstums
"Auch die neue Bundesregierung folgt dem Irrglauben, mit Wachstum, funktionierenden Märkten und technologischem Fortschritt jedes Problem lösen zu können. Wenn die Bürger nur genug konsumieren, wird ihnen weisgemacht, werden sie mit auffrischender Konjunktur in eine rosige Zukunft schweben - ganz so, als sei die Welt des Konsums ein Ort der Glückseligkeit."
(Kommentar in der Süddeutschen Zeitung, 31. Dezember 2009)
2009
Yvo de Boer, Sekretariat der Klimarahmenkonvention der UN
Grenzen des Wachstums
"Das menschliche Antlitz ist vom Radarschirm der Verhandlungen völlig verschwunden". Es gehe im Zuge der Aushandlungen in den Vorbereitungen für das Kyoto-Nachfolgeabkommen "nur noch um Energie und Wirtschaftswachstum".
(zitiert in der ZEIT vom 3.12.2009, Nr. 50)
2009
Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Kulturelle Erneuerung
"Es beginnt ein neues Jahrzehnt, in dem sich vieles für unser Land entscheiden wird. Es wird sich entscheiden […] wie wir unseren Wohlstand erhalten, indem wir unsere Art zu leben und zu wirtschaften ändern."
(Neujahrsansprache 2010, 31. Dezember 2009)
2009
Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Kulturelle Erneuerung
"Denn es ist keine Frage: Dieses Klimarahmenabkommen ist ein globales Abkommen, weil der Klimawandel nur global bewältigt werden kann. Dabei müssen wir einander helfen. Aber wir müssen genauso auch dazu bereit sein, unseren Lebensstil zu ändern. Deshalb ist Technologie wichtig. Deshalb sind erneuerbare Energien wichtig. Und deshalb ist das gemeinsame Verständnis wichtig, dass wir auf einem Planeten leben, dass nach einer bestimmten Zeit die Armut des einen auch die Armut des anderen sein wird, dass wir zusammengehören und zusammen agieren können."
(Rede auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen, 17. Dezember 2009)
2009
Reinhard Loske, Senator der Freien Hansestadt Bremen
Grenzen des Wachstums
"Viele Leute haben schon verstanden, dass das ewige Mehr auf Dauer nicht funktioniert. Das spiegelt sich auch in Umfragen: In vielen Industrieländern nimmt die Zufriedenheit der Menschen trotz steigenden materiellen Wohlstands nicht mehr zu."
(Interview in der taz, 5. Dezember 2009)
2009
Reinhard Loske, Senator der Freien Hansestadt Bremen
Grenzen des Wachstums
"Wie viele andere Zeitgenossen mache ich mir Sorgen über einen gefährlichen Effekt. Manche Autos brauchen zwar weniger Benzin, aber wir haben immer mehr davon. Durch Dämmung sinkt der Energiebedarf der Häuser, aber die Wohnungen werden größer. Deswegen reicht es nicht, Klimaschutz auf Fragen der Technik zu begrenzen."
(Interview in der taz, 5. Dezember 2009)
2009
Reinhard Loske, Senator der Freien Hansestadt Bremen
Neue Wohlstandsdefinition
"Wir brauchen dringend neue Methoden, um unseren Wohlstand zu messen. Die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts reicht nicht mehr aus. Der Wert von sauberem Wasser, guter Luft, biologischer Vielfalt und einem stabilen Klima fällt dabei unter den Tisch. Und wir müssen uns eingestehen, dass die bloße quantitative Zunahme der Produktion keinen Sinn mehr hat. Im Gegenteil - das Festhalten an ihr schafft neue Probleme. Wir müssen lernen, zwischen produktivem und destruktivem Wachstum zu unterscheiden."
(Interview in der taz, 5. Dezember 2009)
2009
Meinhard Miegel, Denkwerk Zukunft
Kulturelle Erneuerung
"Die Vorstellung, dass das Wachstum der Wirtschaft und die Mehrung materiellen Wohlstands zumindest in den reichen Ländern zum Stillstand kommen oder sogar in ihr Gegenteil umschlagen könnten, ist vielen Menschen so zuwider, dass sie sich ihr verweigern. An so etwas, so heißt es, wollen wir gar nicht denken. Das wäre das Ende unserer Kultur."
(Schlusswort auf der ersten Konferenz des Denkwerks Zukunft, 30. November 2009)
2009
Jakob von Uexküll, World Future Council
Kulturelle Erneuerung
"Also die Kluft zwischen Worten und Tat wird natürlich immer größer. Die Regierung, die herrschenden Eliten wissen ganz genau, dass es so nicht weiter gehen kann, aber sie haben riesige Angst vor dem Übergang. Ich glaube diese Angst ist übertrieben."
(auf der ersten Konferenz des Denkwerks Zukunft, 30. November 2009)
2009
Dennis Meadows, Wissenschaftler
Grenzen des Wachstums
"Growth will soon come to an end along one of two paths. Either humanity can turn to the pursuit of quality rather than quantity, or problems such as climate change and oil depletion will bring on stagnation and decline despite our best efforts to sustain a rising GDP."
(auf der Konferenz des Denkwerks Zukunft, 30. November 2009)
2009
Stanislaw Tillich, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen
Kulturelle Erneuerung
"Wenn es uns mit der Generationengerechtigkeit ernst ist, müssen wir künftig auf qualitatives statt quantitatives Wachstum setzen. Umwelt- und Klimaschutz bringen enorme Wachstumschancen mit sich. Es ist ein Wachstum, bei dem wir unseren Ressourcenverbrauch und die Umweltbelastung dramatisch einschränken. In der EU sollen bis 2050 80 Prozent der CO2-Emissionen eingespart werden, verglichen mit 1990. Das braucht nicht nur neue Technologien, sondern auch einen neuen Lebensstil. Einen, in dem Zeitwohlstand und immaterielle Güter wie Bildung, Kultur und zwischenmenschliche Beziehungen wichtiger sind, als jeweils das neueste Handy zu besitzen."
(auf dem Bundessymposion "Kompetenzzentrum Deutschland - Neues Wachstum durch Innovation" des Wirtschaftsrats der CDU, 27. November 2009)
2009
Thomas Hanke, Wirtschaftsjournalist
Plädoyer für Wachstum
"Nun hatte Meadows Ansatz vor 40 Jahren einen vernünftigen Kern: Der Erde wurde zu viel Raubbau an Ressourcen zugemutet. Auch heute noch ist das der Fall, beim Klima. Doch haben wir inzwischen die Mittel und Techniken in der Hand, das zu ändern, mit wenig Energie und Ressourcen zu produzieren. Allerdings brauchen wir dafür mehr Wachstum. Es stellt sich sogar zwangsläufig ein, wenn wir international die neuen, schonenden Produktionsverfahren ausdehnen und rasch genug hochfahren. Wachstum ist aber auch notwendig, weil keine Volkswirtschaft es je geschafft hat, im Stillstand auf alte Prozesse und Techniken zu verzichten. Hier, in der mangelnden Wachstumsorientierung, liegt auch der blinde Fleck der schwarz-gelben Wirtschaftspolitik."
(in: "Wider einen neuen Wachstumspessimismus", Handelsblatt, 26. November 2009)
2009
Al Gore, Politiker und Friedensnobelpreisträger
Kulturelle Erneuerung
"Die einzig sinnvollen und effektiven Lösungen zur Bewältigung der Klimakrise erfordern radikale Veränderungen in unserem Verhalten und Denken - Veränderungen hin zu mehr Effizienz und Naturschutz, weg von fossilen Brennstoffen zu Solar-, Wind- und anderen Formen erneuerbarer Energie."
(zitiert in sienem Buch "Wir haben die Wahl", S. 315)
2009
Norbert Röttgen, Bundesumweltminister
Neue Wohlstandsdefinition
"Ohne Wachstum werden wir keines unserer Probleme lösen. Aber entscheidend ist, wie der Wachstumsbegriff aussieht. Das Bruttoinlandsprodukt mit aller Macht zu steigern ist der falsche Weg. Das haben wir ja beim Banken-Crash erlebt. Rein ökonomische Fixierung hatte ihren Höhepunkt in den Exzessen des Finanzmarkts. Das ist nicht das Wachstum, das wir wollen. Wir wollen Nachhaltigkeit, wir wollen gesundes Wachstum. Und das hat auch eine ökologische Komponente."
(im Interview mit FOCUS, 47/2009, 16. November 2009)
2009
Reinhard Loske, Senator der Freien Hansestadt Bremen
Neue Wohlstandsdefinition
"Dass ohne Wachstum alles nichts sei, wie jüngst Bundeskanzlerin Merkel meinte, ist eher als Diagnose einer Krankheit zu verstehen. Wenn unsere Gesellschaft, die öffentlichen Haushalte und das soziale Sicherungssystem permanentes Wachstum zur unbedingten Voraussetzung hätten, stünden wir bald vor dem "Nichts". Wir müssen uns also fragen, wie man Individuen und Unternehmen vom Wachstumszwang befreien kann."
(in: "Ist ohne Wachstum wirklich alles nichts?", FAZ, 16. November 2009)
2009
Reinhard Loske, Senator der Freien Hansestadt Bremen
Kulturelle Erneuerung
"Um dem Klimawandel zu begegnen, brauchen wir einen Wandel hin zu einer klimaverträglichen Kultur, die sich Schritt für Schritt vom Wachstumszwang und dem Bruttoinlandsprodukt als Maßstab für Wohlstand befreit und Technik zweckgerichtet in gesellschaftliche Ziele einbettet. Dieser Ansatz setzt an der Wachstumskritik der siebziger Jahre an, in deren Zentrum die biophysikalischen Grenzen des Wirtschaftens ebenso standen wie die Zweifel am Sinn immerwährender Expansion für den Einzelnen und die Gesellschaft."
(in: "Ist ohne Wachstum wirklich alles nichts?", FAZ, 16. November 2009)
2009
Norbert Röttgen, Bundesumweltminister
Neue Wohlstandsdefinition
"Richtig ist, dass Wachstum und Wohlstand keine Synonyme sind. Richtig ist auch, dass der Wachstumsbegriff des 20. Jahrhunderts ausschließlich auf das BIP-Wachstum abstellte, also auf das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes. Diese Fixierung auf das quantitative Wachstum müssen wir aufgeben. Wir brauchen einen neuen Wachstumsbegriff – einen, der nicht nur rein ökonomisch ist. Gesundes Wachstum muss dazu dienen, die Lebensqualität der heutigen Generation zu verbessern, ohne die Chancen der nächsten Generation zu beeinträchtigen."
(Interview in DIE ZEIT Nr. 47, 12. November 2009)
2009
Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Plädoyer für Wachstum
"Wachstum zu schaffen, das ist das Ziel unserer Regierung. [...] Ohne Wachstum keine Investitionen, ohne Wachstum keine Arbeitsplätze, ohne Wachstum keine Gelder für die Bildung, ohne Wachstum keine Hilfe für die Schwachen. Und umgekehrt: Mit Wachstum Investitionen, Arbeitsplätze, Gelder für die Bildung, Hilfe für die Schwachen und – am wichtigsten – Vertrauen bei den Menschen."
(Regierungserklärung, 10. November 2009)
2009
Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Kulturelle Erneuerung
"Dabei wissen wir alle in diesem Hause: Der Schutz unseres Klimas ist eine Menschheitsaufgabe. Im vor uns liegenden Jahrzehnt entscheidet sich, ob wir eine Chance haben, die Auswirkungen des weltweiten Klimawandels auf ein erträgliches Maß zu begrenzen – genau das meinen wir mit dem Zweigradziel –, oder ob wir das nicht schaffen. Es entscheidet sich, ob wir insgesamt eine Art des Wirtschaftens finden, die nicht mit den Grundlagen ihres eigenen Erfolgs Raubbau treibt, oder ob wir es eben doch tun. Es entscheidet sich, welche Zukunft unser Planet und damit wir, die wir diesen Planeten bewohnen, haben."
(Regierungserklärung, 10. November 2009)
2009
Horst Köhler, Bundespräsident
Kulturelle Erneuerung
"Es geht auch um mehr als um Wachstum, wie wir es bisher gewohnt waren. Die Menschheit steht vor der existenziellen Aufgabe, den Klimawandel zu begrenzen. Das ist eine große Herausforderung an unseren Erfindergeist und unsere Alltagsgewohnheiten. Die Produktion und der Verbrauch von Energie und Rohstoffen müssen umweltschonend und nachhaltig werden, damit wir nicht länger die Zukunft unserer Kinder und Enkel aufzehren. Die Transformation hin zu einer ökologischen sozialen Marktwirtschaft ist möglich und nötig, und sie wird neue Arbeit und neues Einkommen schaffen. Der Wandel wird auch unseren Lebensstil verändern – wir werden lernen, mit weniger Verbrauch glücklich und zufrieden zu sein. Wir werden nach einer neuen Art von Wachstum streben: nach wachsendem Wohlergehen für Mensch und Schöpfung."
(Ansprache zur Ernennung des Bundeskabinetts, 28. Oktober 2009 in Berlin)
2009
Horst Köhler, Bundespräsident
Kulturelle Erneuerung
"Es ist ja inzwischen kein Erkenntnisproblem mehr: Wir müssen weg vom Öl. Wir brauchen einen neuen Antriebsstoff für unsere Volkswirtschaften. Wir müssen hin zu erneuerbaren Energien und zu viel mehr Energie- und Ressourceneffizienz. Dieser Wandel ist ökologisch nötig, und er ist wirtschaftlich chancenreich. Dabei müssen wir uns darüber im Klaren sein: Es geht nicht um das Drehen an einigen kleinen Stellschrauben der Energieversorgung, und wir haben auch nicht beliebig Zeit. Es geht um nichts weniger als um die Transformation in eine "postkarbone Gesellschaft". Das wird für uns alle Veränderung und Umstellung bedeuten. Wir werden neue Gewohnheiten entdecken. Und ich bin sicher: Diese Transformation wird uns zu einer neuen, einer besseren Lebensqualität führen."
(Grußwort anlässlich der Verleihung des Deutschen Umweltpreises, 25. Oktober 2009 in Augsburg)
2009
Mathias Greffrath, Journalist
Grenzen des Wachstums
"Das Mantra ist von vorgestern: Die Zuwachsraten der alten Industrienationen sinken seit Jahrzehnten; der fossile Brennstoff des Wachstums wird rar; eine Welt nach dem Modell westlichen Wohlstands ist undenkbar. Die Klimakatastrophe wird allein durch effizientere Technik und erneuerbare Energien kaum zu vermeiden sein. Langsam sickert die unerfreuliche Erkenntnis durch: Die Wachstumsperiode der letzten zwei Jahrhunderte war eine welthistorische Ausnahme."
(im Deutschlandfunk, 2. Oktober 2009)
2009
Nicolas Stern, London School of Economics
Grenzen des Wachstums
"Rich nations will have to forget about growth to stop climate change."
(zitiert in: The Guardian, 11 September 2009)
2009
Centre for Global Growth Companies
Plädoyer für Wachstum
"A more holistic, multi-sector cooperative approach to promoting growth is necessary to save jobs and create new ones and to "reskill" and "upskill" workforces."
(Annual Meeting of the New Champions 2009)
2009
Joseph E. Stiglitz/Amartya Sen/ Jean-Paul Fitoussi
Neue Wohlstandsdefinition
"Current well-being has to do with both economic resources, such as income, and with non-economic aspects of peoples’ life (what they do and what they can do, how they feel, and the natural environment they live in). Whether these levels of well-being can be sustained over time depends on whether stocks of capital that matter for our lives (natural, physical, human, social) are passed on to future generations.”
(in: "Report by the Commission on the Measurement of Economic Performance and Social Progress”, September 2009)
2009
Horst W. Opaschowski, BAT Stiftung für Zukunftsfragen
Kulturelle Erneuerung
"Eine Neubesinnung auf das Beständige findet statt. Und das ist immer weniger nur eine Frage des Geldes. Das neue Wohlstandsleben ist auf Nachhaltigkeit angelegt. Statt Wohlleben heißt es eher Wohlergehen und ist nicht mehr nur von Konjunkturzyklen und Börsenkursen abhängig. Es geht wieder um das Gelingen des Lebens. Und das kann auch bedeuten: Gut leben statt viel haben!"
(in: "Wohlstand neu denken", 2009)
2009
Europäische Kommission
Neue Wohlstandsdefinition
"Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist, insbesondere in der gegenwärtigen Rezession, ein aussagekräftiger und allgemein anerkannter Indikator zur Beobachtung kurz- bis mittelfristiger Schwankungen der wirtschaftlichen Tätigkeit. Es ist trotz seiner Mängel immer noch der beste einzelne Messwert zur Feststellung der Leistungsfähigkeit einer Marktwirtschaft. Das BIP ist aber nicht dazu gedacht, den längerfristigen wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt und insbesondere die Fähigkeit einer Gesellschaft zur Lösung von Problemen wie Klimawandel, effiziente Ressourcennutzung oder soziale Integration genau zu messen. Es spricht vieles dafür, das BIP mit Statistiken zur Berücksichtigung anderer wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Fragestellungen zu ergänzen, die ebenfalls entscheidende Bedeutung für das Wohlergehen der Menschen haben."
(in: MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DEN RAT UND DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT. "Das BIP und mehr. Die Messung des Fortschritts in einer Welt im Wandel", Brüssel, 20. August 2009)
2009
Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident von NRW
Plädoyer für Wachstum
"Wenn wir unseren Wohlstand nicht nur halten, sondern mehren wollen, dann brauchen wir in Zukunft jährliche Wachstumsraten von 3 Prozent. Die durchschnittliche Wachstumsrate von jährlich 1,5 Prozent, die wir in Deutschland von 1998 bis 2008 hatten, wird auf lange Sicht nicht ausreichen, um die öffentlichen Haushalte und die Finanzen der Sozialversicherungen auf Dauer in Ordnung zu bringen."
(Pressekonferenz, 19. August 2009)
2009
Herman Daly/Tim Jackson u.a.
Kulturelle Erneuerung
"We see [today] a society and a Government whose primary objective is still the achievement of economic growth as conventionally understood and measured, with as much social justice and environmental protection as can be reconciled with that central goal. We envisage a society whose primary goal should be the wellbeing of society itself and of the planetary resources and environment that sustains us all, with economic objectives shaped to support that central goal rather than the other way around."
(in: "Open Letter to the Queen", 14. August 2009)
2009
Georg Fahrenschon, Bayerischer Staatsminister der Finanzen
Plädoyer für Wachstum
"Wir müssen jetzt mehr denn je unsere Politik darauf ausrichten, der deutschen Wirtschaft zurück auf ihren Wachstumspfad zu helfen."
(Rede auf dem Symposium des Bundesverbandes deutscher Banken, 21. Juli 2009)
2009
Meinhard Miegel, Denkwerk Zukunft
Grenzen des Wachstums
"Milliarden von Menschen kämpfen ums Überleben und wir, die wir einen unvergleichlich höheren Lebensstandard haben, werden ständig animiert, doch noch mehr zu konsumieren. Iss was! Trink was! Kauf dir noch ein T-Shirt, obwohl für dessen Produktion tausende von Litern Wasser benötigt werden, die es in den Baumwollregionen oft nicht gibt. Diese Gebiete versteppen und versanden dann. Nein, ein immerwährendes Wachstum von zwei oder drei Prozent kann nicht funktionieren. Ein Taschenrechner offenbart die ganze Absurdität dieses Konzepts. Drei Prozent Wachstum - das bedeutet in einem Menschenleben die Verzwölffachung der Gütermenge."
(Interview im FOCUS, 6. Juli 2009)
2009
Meinhard Miegel, Denkwerk Zukunft
Grenzen des Wachstums
"Das Problem dieser Gesellschaft ist deshalb auch nicht Wachstum an sich, sondern dass sie sich auf eine ganz bestimmte Wachstumsform versteift hat, die Ressourcen verbrauchende, Umwelt belastende Mehrung materieller Güter. Und diese stößt an Grenzen."
(Interview im FOCUS, 6. Juli 2009)
2009
Reiner Klingholz, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung
Grenzen des Wachstums
"Auch die Strategie, sich notgedrungen an das Schrumpfen anzupassen, bringt keine Wende: Wo Schulen schließen, Buslinien eingestellt und Ämter zusammengelegt werden, ziehen gerade junge Familien erst recht weg. Anpassen fördert den demographischen Niedergang, auch wenn das Gegenteil geplant war. Das Dilemma zeigt, dass Deutschland nicht nur eine neue Demographiepolitik braucht, sondern dass wir uns auch generell von einem Phantom verabschieden müssen. Denn die Grenzen des Wachstums zeigen sich an allen Fronten: Der Gehalt an Treibhausgasen in der Atmosphäre sollte besser nicht weiter ansteigen; die Ölvorräte sind bald zur Hälfte erschöpft; seltene, aber ungemein wichtige Metalle wie Rhenium oder Gallium gehen deutlich früher zur Neige, so dass niemand so recht weiß, wie wir künftig unsere Flugzeugturbinen und Solarzellen bauen sollen. Nennenswertes Wirtschaftswachstum in früh industrialisierten Nationen, deren Konsum längst gesättigt ist und die ihren demographischen Höhepunkt hinter sich haben, ist kaum noch vorstellbar."
(in: "Herr Minister, wir schrumpfen", FAZ, 1. Juli 2009)
2009
CDU/CSU
Plädoyer für Wachstum
"Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist stark. CDU und CSU sind optimistisch, dass die Menschen in unserem Land – wenn wir unsere Wachstumspolitik fortsetzen – in den nächsten Jahren wieder nachhaltiges Wirtschaftswachstum schaffen werden. Wir können auch in Zukunft Wachstum in Deutschland erreichen. Die Haushaltskonsolidierung bleibt unser Ziel. Sie schafft Spielräume, um mit attraktiven steuerlichen Rahmenbedingungen die Grundlage für mehr Wachstum und Beschäftigung zu legen. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist der Staat gefordert. Er muss alles tun, um Brücken für den nächsten Aufschwung zu bauen. Die aus Wachstum folgenden Steuermehreinnahmen wollen wir in etwa gleichen Teilen für Haushaltskonsolidierung, Zukunftsinvestitionen und Entlastung der Bürger verwenden. Eine richtige Steuerpolitik befördert Wachstum."
(in: Regierungsprogramm 2009 - 2013: "WIR HABEN DIE KRAFT", Juni 2009)
2009
Meinhard Miegel, Denkwerk Zukunft
Neue Wohlstandsdefinition
"Was heute Wohlstandsmehrung genannt wird, ist zunehmend nur der Versuch, Schäden zu beseitigen, die bei einem solideren Wachstum überhaupt nicht aufgetreten wären."
(Interview in der FAZ, 3. Juni 2009)
2009
Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Kulturelle Erneuerung
"Eine Orientierung der Politik und der Wirtschaft am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung und des qualitativen Wachstums ist deshalb langfristig die zentrale Herausforderung. Selbst wenn diese Politik zu vergleichsweise niedrigerem quantitativem Wachstum führte, wäre sie zum Nutzen der meisten Menschen auf der Erde und der Natur."
(in: "Wie ein Riss in einer hohen Mauer", EKD-Texte, 100, Juni 2009)
2009
Wolfgang Uchatius, Journalist
Kulturelle Erneuerung
"Warum brauchen wir Wirtschaftswachstum? Weil sonst Firmen sterben. Weil dann Menschen arbeitslos werden, arm und unglücklich. Ist das unausweichlich? Eine Alternative muss her."
("Wir können auch anders", in: Die Zeit, 20. Mai 2009)
2009
Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Neue Wohlstandsdefinition
"Welches Wachstum brauchen wir denn? Das Wachstum hat alles determiniert. Es hieß immer: Wir brauchen Wachstum. Und nach dem Preis, für den wir es erhalten, ist nie gefragt worden. Die erste Große Koalition Ende der 60er Jahre hatte schon einmal Wachstum zum Oberziel erklärt und gleichzeitig damit begonnen, schrittweise eine grandiose Staatsverschuldung aufzubauen, weil Wachstum nicht in ein Verhältnis zu dem Preis gesetzt wurde, den man dafür zahlt. Das, was wir jetzt als internationale Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise bezeichnen, beruhte letztendlich auch auf einem Wachstum auf der Basis nicht tragfähiger Grundlagen."
(Rede auf dem Kongress "Deutschland – eine Generation weiter. Die Zukunft hat schon begonnen" des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, 18. Mai 2009)
2009
Dennis L. Meadows, Universität New Hampshire
Neue Wohlstandsdefinition
"Das Problem ist nicht, dass wir mehr Wohlstand wollen. Das Problem ist, dass wir Wohlstand durch materiellen Besitz definieren. Es gab Gesellschaften und Menschen, die dachten, ihnen ginge es besser nicht nur durch mehr Güter, sondern durch den Erwerb von Weisheit, Verständnis, mehr Freunden oder besserer Gesundheit. In diesem Fall können wir fast unbegrenzt reicher werden. Nur wenn wir Autos wollen, größere Häuser oder nach Hawaii in den Urlaub fliegen wollen, gibt es einen Widerspruch."
(Interview in: Technology Review, 24. April 2009)
2009
Barack Obama, Präsident der USA
Plädoyer für Wachstum
"Nach Wochen der Vorbereitung haben wir uns auf eine Reihe von noch nie dagewesenen Maßnahmen verständigt, um Wachstum wiederherzustellen und zu verhindern, dass so eine Krise noch einmal ausbrechen wird."
(auf dem G20 Gipfel in London, zitiert in: Berliner Zeitung „1 Billion Dollar gegen Krise“, 2. April 2009)
2009
Tim Jackson, University of Surrey
Neue Wohlstandsdefinition
"Every society clings to a myth by which it lives. Ours is the myth of economic growth. For the last five decades the pursuit of growth has been the single most important policy goal across the world. […] There is something odd about the modern refusal to countenance anything but growth at all costs."
(in: "Prosperity without growth", 2009)
2009
Tim Jackson, University of Surrey
Kulturelle Erneuerung
"Above all, there is an urgent need to develop a resilient and sustainable macro-economy that is no longer predicated on relentless consumption growth. The clearest message from the financial crisis of 2008 is that our current model of economic success is fundamentally flawed. For the advanced economies of the Western world, prosperity without growth is no longer a utopian dream. It is a financial and ecological necessity.”
(in: "Prosperity without growth", 2009)
2009
Tim Jackson, University of Surrey
Kulturelle Erneuerung
"A less growth-driven economy will improve people’s work-life balance. Enhanced investment in public goods will provide lasting returns to the nation’s prosperity.”
(in: "Prosperity without growth", 2009)
2009
Paul Welfens, Bergische Universität Wuppertal
Plädoyer für Wachstum
"Für Normalbürger muss die Perspektive sein, dass es weiter Wachstum gibt. Nur das ist ökonomisch vernünftig."
(Interview im General-Anzeiger, 27. März 2009)
2009
Horst Köhler, Bundespräsident
Grenzen des Wachstums
"Wir können uns nicht mehr hauptsächlich auf wirtschaftliches Wachstum als Problemlöser und Friedensstifter in unseren Gesellschaften verlassen"
(Berliner Rede 2009, zitiert in: FAZ, 24. März 2009)
2009
Barack Obama, Präsident der USA
Plädoyer für Wachstum
"Our efforts must begin with swift action to stimulate growth. Already, the United States has passed the American Recovery and Reinvestment Act — the most dramatic effort to jump-start job creation and lay a foundation for growth in a generation.”
(Presseerklärung, 23. März 2009)
2009
Jakob von Uexküll, World Future Council
Grenzen des Wachstums
"Man hat uns vorgegaukelt, dass wir viel reicher seien, als wir es sind. Dann ist die Blase geplatzt. Wir haben auf Pump gelebt, übrigens vor allem auch auf Kosten der Natur. Ökonomische Zyklen kommen und gehen. Bei Geldschulden gibt es Gläubiger, die Bilanz kann man wieder ausgleichen. Die Schulden, die wir uns gegenüber der Natur aufgebürdet haben, bleiben über viele Generationen, wenn nicht ewig."
(Interview im Hamburger Abendblatt, 24. Februar 2009)
2009
Andrew Bacevich, Boston College
Kulturelle Erneuerung
"Amerika lebt über seine Verhältnisse […] unsere Zwangslage ist ein Auswuchs unserer Lebenskultur, des American Way of Life. Daran ändert sich nichts durch einen Wechsel im Weißen Haus. Dazu müssen wir Bürger beschließen, anders leben zu wollen."
(Interview in der Süddeutschen Zeitung, 16. Januar 2009)
2008
Harald Welzer, KWI Essen
Kulturelle Erneuerung
"Wenn man Wert darauf legt, dass die eigenen Kinder und Enkelkinder eine Überlebenschance haben […], dann wird man davon abgehen müssen, das ganze Leben nach dem Prinzip des Wachstums zu organisieren."
(Interview im Deutschland-Radio, 27. Dezember 2008)
2008
Clemens Fuest, University of Oxford
Plädoyer für Wachstum
"Wer mehr Wirtschaftswachstum fordert, gerät leicht in den Verdacht, eindimensional, materialistisch oder ökonomistisch zu denken. Dabei wird leicht übersehen, dass unzureichendes Wirtschaftswachstum negative Folgen hat, die in allen Bereichen der Gesellschaft spürbar sind. Arbeitslosigkeit, die Unterfinanzierung von Schulen und Universitäten, sinkende Standards medizinischer Versorgung, der Abbau sozialer Leistungen und der Verfall der staatlichen Infrastruktur, all dies sind Folgen mangelnden Wirtschaftswachstums, die man auch in Deutschland besichtigen kann. Es geht also um mehr als Pauschalurlaube und die Größe des nächsten Autos."
(in: 16. Schönhauser Gespräche - Berlin, 13. November 2008)
2008
George W. Bush, ehem. Präsident der USA
Plädoyer für Wachstum
"Geht raus und kauft ein, das ist das Patriotischste, was ihr machen könnt."
(zitinert in: "Die nächste Kreditkrise naht", FTD, 4. November 2008)
2008
Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI)
Plädoyer für Wachstum
"Trotz der internationalen Finanzkrise und der sich abzeichnenden (technischen) Rezession in Deutschland, bleibt die Politik aufgefordert, auf kurzfristige Konjunkturprogramme zu verzichten und auch im bevorstehenden Wahljahr 2009 eine Politik für Wachstum und Beschäftigung zu verfolgen."
(in: "Steigende globale Risiken - deutsche Wirtschaft im Abschwung", BDI-Konjunktur-Report, Ausgabe 04, 20. Oktober 2008)
2008
Europäischer Rat
Plädoyer für Wachstum
"Der Europäische Rat unterstreicht, dass es wichtiger denn je ist, die Strukturreformen weiterzuführen, um dazu beizutragen, das Wachstum in Europa wieder anzukurbeln und die Beschäftigungslage zu verbessern."
(Tagung am 15./16. Okt. 2008, zitiert in: EU-Nachrichten, Nr. 3, 16. Oktober 2008)
2008
Dennis L. Meadows, Universität New Hampshire
Grenzen des Wachstums
"Die meisten Menschen haben keine Ahnung, was Wachstum als abstraktes Konzept bedeutet. Sie wollen konkrete Dinge: ein größeres Haus, ein besseres Auto, mehr Einkommen. Bislang geht die Öffentlichkeit davon aus, dass anhaltendes Wachstum mehr materielle Güter für jeden Einzelnen bringen wird. Das wird sich aber drastisch ändern."
("360 GRAD-Interview", 2008)
2008
Frank Mattern, McKinsey
Plädoyer für Wachstum
"Drei Prozent Wachstum sind nötig und möglich für Deutschland". Wachstum ist erforderlich, "um die gewohnten Lebens- und Sozialstandards zu halten. Nur dann können breite Schichten der Bevölkerung von der wirtschaftlichen Entwicklung profitieren... Bei weniger Wachstum gerät die Mittelschicht weiter unter Druck, da die wirtschaftliche Basis für breiten Wohlstand entfällt."
(bei der Vorstellung der McKinsey Studie "Deutschland 2020", 5. Mai 2009)
2008
Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO)
Plädoyer für Wachstum
"Eine Fortsetzung der Wachstumspolitik ist nicht nur wegen der immer bestehenden politischen Zielsetzung, die Beschäftigung hoch zu halten und den Wohlstand der Bevölkerung zu steigern, wichtig. Sie ist es vor allem auch mit Blick auf zwei grosse Herausforderungen, denen sich die Schweiz stellen muss und auf welche die Wirtschaftspolitik rechtzeitig und adäquat antworten sollte.
Erstens zu nennen ist die sich beschleunigende Globalisierung. […] Zweitens ist es die demographische Alterung, welche die Schweiz - ähnlich wie andere Industrieländer - in zuneh-mendem Ausmaß herausfordern wird."
("Wachstumspolitik 2008 - 2011 Beschreibung der Maßnahmen", 3. April 2008)
2008
Bevölkerungsumfrage (Eurobarometer)
Neue Wohlstandsdefinition
Laut einer Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2008 sind mehr als zwei Drittel der EU-Bürger der Meinung, dass bei der Bewertung des Fortschritts soziale, ökologische und wirtschaftliche Indikatoren gleichermaßen zur Anwendung kommen müssen. Nur knapp ein Sechstel der Befragten sprach sich für eine Bewertung hauptsächlich anhand wirtschaftlicher Indikatoren aus.
(Europäische Kommission, Spezielle Eurobarometer-Umfrage Nr. 295/ März 2008)
2008
Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI)
Plädoyer für Wachstum
Das BDI-Manifest für Wachstum und Beschäftigung – Deutschland 2020 "…macht deutlich, dass mit der Wertschöpfung im ökonomischen Sinne die Schaffung und Sicherung immaterieller Werte Hand in Hand geht: so die Sicherung der Freiheit mit der Freiheit zum kreativen wirtschaftlichen Wettbewerb und dem daraus resultierenden Wohlstand; die Bildung, die Werteorientierung im Leben gibt, mit der Ausbildung zu qualifizierter Arbeit; ein längeres Leben in vitaler Verfassung mit mehr Beschäftigung und höherem Einkommen im Gesundheitssektor; die produktive Mobilität von Waren und Personen mit der Begegnung von Mensch zu Mensch, lokal, regional und global."
("Das BDI-Manifest für Wachstum und Beschäftigung – Deutschland 2020", 2008)
2008
WWF Deutschland - Stiftung für den Schutz der biologischen Vielfalt und der natürlichen Umwelt
Grenzen des Wachstums
"Über sechs Milliarden Menschen bevölkern inzwischen unseren Planeten. Während sich die Bevölkerungszahl im vorigen Jahrhundert fast vervierfacht hat, ging allein in den letzten 35 Jahren – so haben es WWF-Wissenschaftler mit dem Living Planet Index ermittelt – fast ein Drittel des natürlichen Reichtums an Wäldern, Flüssen und Meeren verloren. Für immer."
("Ohne die Natur wird der Mensch nicht überleben", 2008)
2007
Christian Amsinck, Vereinigung der Unternehmerverbände in Berlin und Brandenburg e.V.
Plädoyer für Wachstum
"Ohne Wachstum bekommen wir unsere Probleme nicht gelöst, wie die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zeigt. In den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der Arbeitslosen in Berlin und Brandenburg um 100 000 gesunken. Das ist beachtlich und ein Effekt des Wachstums."
(Interview im Tagesspiegel, 31. Dezember 2007)
2007
Jürgen Trittin, Bündnis 90/Die Grünen
Kulturelle Erneuerung
"Ist die Grenze, die Dennis Meadows der Welt zu Bewusstsein gebracht hat, eine absolute Grenze, ist sie der Sargnagel eines jeden Wachstumsbegriffs? Nein, diese Grenze führt Ökonomie auf ihr Ziel zurück. Ziel einer jeden Wirtschaftsweise ist letztlich die Verbesserung der Lebensqualität der Menschen."
(Laudatio für Prof. Dennis Meadows, Verleihung der Berliner Friedensuhr, 7. November 2007)
2007
Bevölkerungsumfrage (IfD Allensbach)
Plädoyer für Wachstum
In Deutschland sind 81 Prozent der Bevölkerung der Meinung, dass "wir weiterhin wirtschaftliches Wachstum brauchen". Nur 7 Prozent vertreten die Auffassung, dass wir kein Wachstum brauchen. 12 Prozent können keine Aussage hierzu machen.
(Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, April/Mai 2007 im Auftrag des IWG BONN, in: Meinhard Miegel/Thomas Petersen, "Der programmierte Stillstand", S. 25)
2007
SPD-Parteivorstand
Plädoyer für Wachstum
"Wir brauchen eine anhaltende Wachstumsdynamik, die zu einem höheren Angebot an Arbeitskräften führt [...] Sozialdemokratische Wirtschafts- und Sozialpolitik hat zum Ziel, die Wachstumskräfte der Wirtschaft zu stärken, Arbeitsplätze zu schaffen und die Sicherheit für die Menschen zu erhöhen. […] Die Finanz- und Geldpolitik in Deutschland und Europa muss die Wachstumskräfte stärken. Eine hohe Binnennachfrage ist die Voraussetzung für mehr Beschäftigung. Wir setzen uns für eine an der Produktivität orientierte Lohnpolitik ein."
(Parteivorstands-Beschluss, 6. Januar 2007)
2007
Fritz Kuhn, Bündnis 90/Die Grünen
Neue Wohlstandsdefinition
"Wir sind extrem abhängig vom quantitativen Wachstum, das müssen wir ändern. Solange der Staat verschuldet ist, gibt es gar keine Alternative zum quantitativen Wachstum. Das folgt aus der Zins- und Zinseszinsformel. Das Ideal wäre eine qualitative Wachstumsstrategie, die die ökologische Belastung Jahr für Jahr minimiert und die Abhängigkeit vom quantitativen Wachstum reduziert. Das geht nur über ausgeglichene Haushalte, weil dann der Staat nicht mehr wie heute ein Wachstumsmotor sui generis ist. Der Abbau der Staatsverschuldung ist darum eine der dringlichsten politischen Aufgaben."
(in: Böll.Thema, Grüne Marktwirtschaft, Ausgabe 1/07)
2006
Dennis L. Meadows, Universität New Hampshire
Grenzen des Wachstums
"We are on a treadmill that spins faster and faster but leads nowhere. In order to produce more and more physical goods, people, culture, and the environment have been degraded in ways that prevent them from offering the qualitative satisfactions they used to give.”
(Interview für EuroNatur, 22. Dezember 2006)
2006
Nicolas Stern, London School of Economics
Grenzen des Wachstums
"[Ignoring climate change] could create risks of major disruption to economic and social activity […] on a scale similar to those associated with the great wars.”
("Stern Review on the Economics of Climate Change", Oktober 2006)
2006
Guido Westerwelle, FDP
Plädoyer für Wachstum
"Doch die beste Vermittlung und die strengsten Kontrollen helfen nichts, wenn es keine Arbeitsplätze gibt. Deshalb brauchen wir eine Wirtschaftspolitik, die Wachstum schafft - durch ein gerechtes Steuersystem statt durch maßlose Steuererhöhungen."
(Pressemitteilung, 9. Juni 2006)
2006
SPD-Parteivorstand
Plädoyer für Wachstum
"Wir werden die Arbeitslosigkeit weiter entschieden bekämpfen. Um erfolgreich zu sein, brauchen wir mehr Wirtschaftswachstum und folglich mehr Investitionen. Nur so entstehen neue Arbeitsplätze."
("Schwerpunkte sozialdemokratischer Politik in der Bundesregierung 2006", Januar 2006)
2006
Horst W. Opaschowski, BAT Stiftung für Zukunftsfragen
Kulturelle Erneuerung
"Wohlstand fängt mit dem Wohlfühlen an. Die Bundesbürger wollen lieber glücklich als reich sein. Und das heißt: Mit Familie und Freunden in Frieden und ohne Sorgen leben können."
(www.opaschowski.de, 2006)
2006
Kurt Beck, Ministerpräsident Rheinland-Pfalz
Plädoyer für Wachstum
"Um erfolgreich zu sein, brauchen wir mehr Wachstum."
(in: "Schwerpunkte sozialdemokratischer Politik in der Bundesregierung 2006")
2005
Europäische Kommission
Plädoyer für Wachstum
"Die Kommission schlägt vor, die Strategie von Lissabon mit neuem Leben zu erfüllen; hierzu sollen die Anstrengungen auf zwei zentrale Aufgaben konzentriert werden: Herbeiführung eines kräftigeren und nachhaltigen Wachstums und Schaffung von mehr und besseren Arbeitsplätzen. Nur wenn Europa seine Hausaufgaben in Sachen Wachstum und Arbeitsplätze macht, lassen sich die Ressourcen erschließen, die wir benötigen, um unsere ehrgeizigen Ziele im wirtschaftlichen und sozialen Bereich sowie im Umweltschutz zu erreichen"
("Mitteilung der Europäischen Kommission an den Rat der Europäischen Union", 2. Februar 2005 )
2004
CDU-Bundesvorstand
Plädoyer für Wachstum
"Steigendes Bruttoinlandsprodukt erzeugt wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt sowie materiellen Wohlstand; geringes oder fehlendes Wachstum führt zu wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Abstieg und Rückschritt." (S. 6) "Wachstum ist nicht alles - aber ohne Wachstum ist alles nichts!" (S. 11) "Wachstum ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung dafür, dass alle am Arbeitsleben teilhaben können" (S. 12) "Wir brauchen Wachstum, um die Gerechtigkeit zwischen den Generationen wieder herstellen zu können" (S. 13) "Wir brauchen Wachstum, um eine kontinuierliche Entwicklungszusammenarbeit vor allem mit den ärmsten Ländern der Erde finanzieren zu können" (S. 13). "Nur durch mehr Wachstum können in Deutschland mehr Ausbildungsplätze angeboten werden" (S. 19)
(Leitantrag zum 18. Bundesparteitag: "Wachstum - Arbeit - Wohlstand", Dezember 2004)
2004
Thomas Straubhaar, Hamburger WeltWirtschaftsInstitut
Plädoyer für Wachstum
"Selbst wenn Ökonomen von 'realem' Wirtschaftswachstum reden, meinen sie nicht notwendigerweise, dass auch mehr Güter und Dienstleistungen produziert werden, sondern dass mehr Werte geschaffen werden, oder noch besser, dass die Wertschätzung für Verzehr, Verwendung oder Benutzung von Schuhen, Kleidern, Autos oder Urlaubsreisen gestiegen ist. Ökonomisches Wachstum ist zu allererst ein abstraktes Kopfphänomen."
(in: "Kein Wohlstand ohne Wachstum", in: Finanz und Wirtschaft 80, 9. Oktober 2004)
2004
Avenir Suisse
Plädoyer für Wachstum
"Deshalb sind sich viele der Wohlstandsgefährdung durch ausbleibendes Wachstum noch nicht bewusst. Mehr Wachstum ist jedoch nicht nur wünschenswert, sondern erforderlich. Solange andere aufholen, die Schweiz aber immer noch nahe der Spitze bleibt, beunruhigt das kaum jemanden. Überholt aber ein Land nach dem anderen die Schweiz im kaufkraftbereinigten Pro-Kopf-Einkommen, wird sich das (angebliche) Glücksgefühl der Schweizer kaum mehr lange aufrecht erhalten lassen."
(in: "Wohlstand ohne Wachstum – eine Schweizer Illusion", April 2004.)
2004
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
Plädoyer für Wachstum
"Die Ziele der Lissabon-Strategie sollen die Union zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt machen, einen Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu erzielen und dabei ein jährliches, stetiges und nachhaltiges Wachstum von 3% zu erreichen. Der DGB unterstützt diese ehrgeizigen Wachstumsziele und fordert die Bundesregierung dazu auf, alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen um diese Ziele zu erreichen."
(in: "Eckpunkte des DGB für den EU-Frühjahrsgipfel März 2004 zur Umsetzung der Lissabon-Strategie", 26. Januar 2004)
2002
Karl-Heinz Brodbeck, Universität Würzburg
Grenzen des Wachstums
"Zunehmende soziale und ökologische Probleme einer kleiner gewordenen Welt machen die Grenzen des bloß quantitativen Wachstums bewusst."
(Interview in Der Tagesspiegel, 22. Dezember 2002)
2002
Greenpeace
Grenzen des Wachstums
"Mehr Beschäftigung ist nicht die zwangsläufige Konsequenz von Wachstum. Vor allem in einigen europäischen Ländern war in den vergangenen Jahren ein Anstieg der Arbeitslosigkeit trotz positiver Wachstumsraten (jobless growth) zu beobachten. Arbeitsplatzabbau scheint in manchen Wirtschaftssektoren gar zur Voraussetzung für schnelleres Wachstum zu werden."
(in: "Nachhaltige Wirtschaft. Wirtschaften ohne Wachstum?", 26.Oktober 2002)
2002
Greenpeace
Neue Wohlstandsdefinition
"Das, was wir als Wachstum definieren und messen, ist nicht unbedingt Indikator für mehr Wohlstand, Wohlergehen und Zufriedenheit. "Wachstum" stellt die Statistik auch fest, wenn z. B. eine Zunahme von Verkehrsunfällen den Mehreinsatz von Abschleppdiensten, Krankentransporten und Ärzten erforderlich macht. Oder wenn Dörfer geräumt und dem Schaufelbagger übergeben werden, um dem Braunkohletagebau Platz zu machen."
(in: "Nachhaltige Wirtschaft. Wirtschaften ohne Wachstum?", 26. Oktober 2002)
2002
Greenpeace
Neue Wohlstandsdefinition
"Trotz dieser Einwände ist die Steigerung des Bruttosozialproduktes noch immer eine der wichtigsten Orientierungsgrößen für den Erfolg des Wirtschaftens. Es scheint fast ein Tabu zu sein, auch nur darüber nachzudenken, das Streben nach Wachstum aufzugeben, selbst wenn der Preis dieses Wachstums die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen sein sollte."
(in: "Nachhaltige Wirtschaft. Wirtschaften ohne Wachstum?", 26. Oktober 2002)
2000
Vorsitz des Europäischen Rates
Plädoyer für Wachstum
"Die Union hat sich heute ein neues strategisches Ziel für das kommende Jahrzehnt gesetzt: das Ziel, die Union zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum in der Welt zu machen - einem Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu erzielen."
(in: "SCHLUSSFOLGERUNGEN DES VORSITZES EUROPÄISCHER RAT (LISSABON)", 23. und 24. März 2000)
1994
Union of Concerned Scientists
Grenzen des Wachstums
"Human beings and the natural world are on a collision course. Human activities inflict harsh and often irreversible damage on the environment and on critical resources. If not checked, many of our current practices put at serious risk the future that we wish for human society and the plant and animal kingdoms, and may so alter the living world that it will be unable to sustain life in the manner that we know. Fundamental changes are urgent if we are to avoid the collision our present course will bring about.”
("Statement of Union of Concerned Scientists", unterzeichnet von mehr als 1.600 Wissenschaftlern und 104 Nobelpreisträgern, 8. September 1994)
1978
G 7 - Weltwirtschaftsgipfel, Abschlusserklärung
Plädoyer für Wachstum
"Besseres Wachstum ist erforderlich, damit die freie Welt den Erwartungen ihrer Bürger und den Bestrebungen der Entwicklungsländer gerecht werden kann."
(zitiert in: Biedenkopf, Kurt (1985), "Die neue Sicht der Dinge", S. 137)
1965
Ludwig Erhard, ehem. Bundeswirtschaftsminister und Bundeskanzler
Kulturelle Erneuerung
"Was wir brauchen ist ein neuer Stil unseres Lebens. Die wachsende Produktion allein hat keinen Sinn [...] Und unser Beispiel wird ihnen (der Jugend) den Glauben geben, dass materieller Gewinn nicht der Weisheit letzter Schluss, des Lebens einziger Sinn ist".
(in einem Zeitungsaufruf im Herbst 1965, zitiert in: Hohmann, Karl (Hrsg.), "Ludwig Erhard - Gedanken aus fünf Jahrzehnten, Reden und Schriften", Düsseldorf/Wien/New York 1988)
1961
Ludwig Erhard, ehem. Bundeswirtschaftsminister und Bundeskanzler
Neue Wohlstandsdefinition
"Wohlstand ist eine Grundlage, aber kein Leitbild für die Lebensgestaltung. Ihn zu bewahren ist noch schwerer als ihn zu erwerben. Deshalb erwächst uns die Aufgabe ihn geistig zu bewältigen."
(in einem Schreiben an die Oberprima des Martin-Butzer-Gymnasiums vom 1. März 1961, zitiert in: Ludwig Erhard (Hrsg.), Deutsche Wirtschaftspolitik, S. 559, Düsseldorf/Wien/Frankfurt am Main 1962.)
1960
Ludwig Erhard, ehem. Bundeswirtschaftsminister und Bundeskanzler
Grenzen des Wachstums
"Das Unbehagen der Menschen trotz ständig wachsender Konsumverbesserung und Konsumausweitung kann als Beweis dafür gelten, dass sich dieser unbestreitbare Wert abnützt, wenn sich das individuelle Leben nicht organisch in eine vom Menschen und der Gesellschaft gleichermaßen bejahte Umwelt einzufügen vermag."
(in einer Rede vor dem Bundesparteitag der CDU am 28. April 1960 in Karlsruhe, zitiert in: Ludwig Erhard (Hrsg.), Deutsche Wirtschaftspolitik, S. 490, Düsseldorf/Wien/Frankfurt am Main 1962.)
